Wenn ich ‘zu zweit’ unterwegs bin, ist der Blick nicht mehr primär nach aussen gerichtet, sondern auch nach innen, auf mein Gegenüber. – Michelle ist grossartig, sportlich und direkt; wir machen eine Auslegeordnung, was uns wichtig ist, und finden uns rasch. Nur der Sturm vor Marsala verhindert, dass wir sofort aufbrechen. Auch gut …

Als die Fährboote ihren Dienst wieder aufnehmen, bleibe ich skeptisch; noch ist die ArgoFram aufgebockt (und dient uns als stabiles Nachtlager), denn draussen windet es weiterhin heftig. Wir beschliessen, mit einem dieser schnellen Fährboote zu einer nahe gelegenen Ausflugs-Insel zu fahren, nach Favignana – eine völlig neue und interessante Erfahrung, mich als Passagier inmitten anderer Passagiere zu bewegen (gleichzeitig kann ich abschätzen, wie die Wellenbewegungen weiter draussen konkret aussehen und worauf wir uns einstellen müssten). Angekommen mieten wir Velos und fahren die ganze Insel ab, geniessen das Baden in stillen Buchten, und machen Fotoshootings, für die Michelle besonders prädestiniert ist.

Dann wird’s ernst; die ArgoFram wird eingewassert, aufgetankt, und los geht die Reise. Vorerst nach Marettimo, einer kleinen, felsigen Insel nur etwa eine Fahrstunde von Marsala entfernt – ideal zum Einfahren, um alles zu testen. Und ja, das Ponton hält, die Anzeige funktioniert, es fühlt sich gut an. Ich komme wieder ins Element. Und wir bereiten uns vor auf die grosse Überfahrt nach Sardinien, denn gemäss Wetterbericht wird der Wind abnehmen und die See glatt werden; wir kaufen zusätzliches Wasser (man weiss ja nie … dieses Gefühl wird mich wohl nicht mehr loslassen) und frische Früchte.

Der Übernachtungspreis hier ist nicht nachvollziehbar hoch (keine Toilette, keine Dusche); Tommaso sitzt aushilfsweise als Inkassostelle/Hafenmeister auf seinem Plastikstuhl am Eingang zum Quai. Hauptberuflich geniesst er das Leben hier, arbeitet remote als Informatiker, und spricht als einziger weit und breit englisch. Dafür gibt er uns einen wichtigen Tipp: morgen früh Richtung Norden fahren, unterhalb der verfallenen Burg ankern, den Sonnenaufgang abwarten … und besser dort als im Hafen frühstücken.